Rollstuhlfahrer müssen nicht auf Trachten und Oktoberfest verzichten
Nur, weil ein Mensch an den Rollstuhl gefesselt ist, muss er nicht darauf verzichten, die schönen Dinge im Leben zu genießen – soweit er eben kann. Das bedeutet zwar vielleicht, nicht unbedingt im rasantesten Karussell mitzufahren, wenn das Oktoberfest in München das Ziel sein sollte. Je nach Krankheitsbild spricht aber nichts gegen ein Hendl vom Grill, eine Maß Bier und musikalische Stimmung in einem Festzelt. Selbstverständlich sollte sich niemand davon abhalten lassen, sein Leben in seinem Rahmen zu genießen, auch wenn sich Probleme ergeben könnten. Es wird immer wieder zu Anfeindungen gedankenloser Menschen kommen, ebenso wie die übertriebene oder fehlende Hilfsbereitschaft anderer Leute zum zusätzlichen Handicap werden kann. Wird ein Rollstuhlfahrer in seiner mühsam aufrechterhaltenen Bewegungsfreiheit beschnitten, weil es umstehende Personen mit der Fürsorge übertreiben, ist das ebenso unangenehm, wie vor einem Hindernis zu stehen und nicht weiterzukommen, weil niemand hilft. Hier müssen die Mitmenschen aber verstanden werden.
Oft ist es Scheu, manchmal einfach Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit, die die Menschen so handeln lässt. Nicht jeder kann sich in die Lage eines Gehbehinderten so einfach hineinversetzen. Ein Ansprechpartner, mit dem der Wiesn-Besuch als Rollstuhlfahrer auf vielfältige Art und Weise vereinfacht werden kann, ist die Internetseite www.wiesnhandi.de. Viele interessante Beiträge helfen hier, den eigenen Wiesn-Aufenthalt so angenehm, wie möglich zu machen und dabei noch einige wissenswerte Zusatzinfos zu erhalten. Auch Verkäufe der Produkte aus Behindertenwerkstätten werden über diese Seite promotet. Zugeschnitten auf alle Wünsche und Möglichkeiten, die behinderte Menschen haben, findet sich hier manche nützliche Hilfe.
Rollstuhlfahrer und behinderte Personen fallen auf
Ein gesunder Mensch, der in Trachten von Trachtenshop.de auf dem Oktoberfest zu Besuch ist, fällt nicht weiter auf. Er verschwindet in der Masse und sticht höchstens durch Besonderheiten hervor, wie etwa einen sehr angetrunkenen Zustand oder ein sehr sexy Erscheinungsbild durch ein knappes Dirndl oder hautenge Lederhosen. Leider ist es immer noch so, dass behinderte Menschen immer besonders beäugt werden. Behinderte Kinder, die mit ungewohnt hohem Alter noch in Spezial-Kinderwägen herumgefahren werden, ziehen die Blicke – manchmal nicht einmal verstohlen – auf sich. Die Eltern sind an diese Umstände gewohnt und ignorieren dies, auch wenn sie manchmal aus der Haut fahren möchten. Sich zu verstecken, macht keinen Sinn: Man beschneidet sich selbst in der Freiheit, auch mit einem „nicht normalen“ Familienmitglied etwas zu unternehmen und dabei Freude zu haben.
Selbst bei geistigen Behinderungen nehmen die Gehandicapten auf ihre Weise das neue, aufregende Umfeld wahr, wenn die Musik, die Düfte und anderen Eindrücke vom Oktoberfest auf sie eintreffen. Es gibt absolut keinen anderen Grund, als die medizinische Unmöglichkeit, zum Beispiel bei einer dauerhaft nötigen künstlichen Beatmung, auf solche Ausflüge – auch in Gruppen – zu verzichten. Eine ganze Gruppe behinderter Menschen, die zum Beispiel in einem Pflegeheim untergebracht sind, unternehmen solche Ausflüge durchaus und haben eine Menge Spaß, selbst wenn fragende und unverständliche Blicke sie treffen und ihre Tracht sie dadurch wohl noch mehr zum Mittelpunkt macht. Für die Betreuer ist es aber eine Selbstverständlichkeit, durch solche Unternehmungen mit der Gruppe den Alltag zu durchbrechen und für Abwechslung zu sorgen – auch wenn es viel Arbeit und Verantwortung bedeutet.
Gäste mit Handicap sind auf dem Oktoberfest willkommen
Die Organisatoren vom Oktoberfest sind darauf eingestellt, auch Gästen mit einem Handicap Tür und Tor zu öffnen. Das bedeutet nicht nur, dass beim Aufbau auf der Theresienwiese darauf geachtet wird, dass der gesamte Festplatz weitestgehend barrierefrei gestaltet wird. Festzelte sind mit Rampen ausgestattet und auch im Inneren wird auf ausreichend Platz und Ebenerdigkeit geachtet. Natürlich muss ein Besuch auf dem Oktoberfest mit einer behinderten Person oder Gruppe etwas anders geplant werden, als es mit gesunden Beinen und ohne Einschränkungen möglich wäre. Für die Menschen mit Handicap stehen einige Behindertenparkplätze und eine spezielle Zufahrtsstraße über die Poccistraße bereit. Allerdings sind auch die U-Bahnhöfe und S-Bahnstationen behindertengerecht mit Aufzügen vorbereitet. Wie auf www.oktoberfest.de aufgeführt, gibt es aber noch viele andere Extras für die Gäste mit Behinderung: Wer den Rollstuhl zu Hause lassen möchte, kann sich direkt um die Ecke einen fahrbaren Untersatz ausleihen – sogar ohne zusätzliche Kosten.